Fusidinsäure - Pharmakokinetik
CliniPharm
Wirkstoffdaten
 

Absorption

Nach der p.o. Verabreichung wird der Wirkstoff langsam (Rosin 1998) aber gut resorbiert. Das Vorhandensein von Nahrung im Magen verzögert und reduziert bei Einmaldosierung die Absorption (Andenmatten 2010).
 

Haut

Das Diäthanolaminsalz der FS kann die Haut gut durchdringen, was seine antibakterielle Wirkung verstärkt (Demuth 2008). Die topische Verabreichung von FS beim Menschen führt jedoch nur zu einer geringen Penetration durch die Haut (Turnidge 1999).
 
Die perkutane Absorption der FS sowie von Betamethason-17-Valerat wurde in-vitro bei Hundehäuten untersucht. Ungefähr 1,3% der verabreichten FS-Menge sowie ungefähr 10% des Betamethason-17-Valerates wurden innerhalb von 24 Stunden absorbiert. Beide Wirkstoffe gelangten schnell durch die Epidermis (Degim 1999).
 

Augen

FS weist (zusammen mit den Fluoroquinolonen) unter den topisch angewendeten Antibiotika die stärkste Penetration in die Kornea sowie Augenkammer auf (Robert 2000).
 

Verteilung

Gewebe

Die Fusidinsäure (FS) gelangt nach einer p.o. Verabreichung effizient ins Weichteilgewebe und die Knochen (Hierholzer 1966).
 
Das Natriumsalz der FS weist eine gute Gewebeverteilung auf; dies gilt sogar für Knochengewebe (Kroker 2003d). Beim Menschen konnte der Wirkstoff zwar sowohl in Sequestern (abgestorbene Gewebestücke) (Andenmatten 2010) und der Muskulatur, als auch im Fett sowie in den Nieren nachgewiesen werden, jedoch nicht im Harn (Godtfredsen 1962c).
 

Sekrete und Exsudate

Beim Menschen konnten in Eiter und Sputum gegen Staph. aureus wirksame FS-Konzentrationen nachgewiesen werden (Andenmatten 2010).
 

Haut

In der Kruste von Brandwunden werden nach der systemischen FS-Verabreichung hohe Konzentrationen erreicht, wobei dies wahrscheinlich durch das Vorhandensein grosser Mengen an exsudativen Proteinen bedingt ist (Sorensen 1966). Es besteht eine gute Penetration in die Eiterflüssigkeit; die Konzentrationen liegen nur geringfügig unter den Serumwerten (Güttler 1971).
 

Augen

Die FS-Konzentrationen sind im Kammerwasser nach oraler sowie systemischer Verabreichung niedrig und betragen nur ungefähr 1 - 2% des Blutspiegels (Chadwick 1969; Williamson 1970). Dies könnte im vernachlässigbaren Proteingehalt des Kammerwassers begründet sein (Reeves 1987). Es werden vermutlich höhere Konzentrationen in entzündeten Augen erreicht, da dann der Proteingehalt erhöht ist (Chadwick 1969).
 

Bewegungsapparat

In der Synovialflüssigkeit werden FS-Konzentrationen, welche ungefähr 28 - 78% der Serumwerte betragen, erreicht (Sattar 1983; Deodhar 1972). Nach systemischer Verabreichung an Humanpatienten mit rheumatoider Arthritis oder Osteoarthritis betrugen die Konzentrationen in der Synovialflüssigkeit nach 7 Tagen ungefähr 80% derjenigen im Serum. Es bestand hierbei kein Zusammenhang zwischen der Menge an Proteinen in der Synovialflüssigkeit und der Antibiotikakonzentration (Deodhar 1972). Ungefähr 16 - 24% des verabreichten Wirkstoffes gelangen in die Knochen (Hierholzer 1966; Hierholzer 1970). Dabei sind die erreichten FS-Konzentrationen im aseptischen Knochengewebe höher als in chronisch entzündetem Knochen- und Weichteilgewebe (Hierholzer 1970).
 

Plazenta

Der Wirkstoff kann beim Menschen die Plazentarschranke überwinden (Godtfredsen 1962c).
 

Milch

Das Antibiotikum kann beim Menschen nach oraler Verabreichung in geringen Mengen in der Milch nachgewiesen werden (Godtfredsen 1962c).
 

Prostata

In der Prostataflüssigkeit von Hunden konnten nur sehr geringe FS-Konzentrationen im Vergleich zum Plasma nachgewiesen werden (Reeves 1987).
 

ZNS

Das Natriumsalz der FS tritt beim Menschen, wenn überhaupt, nur in sehr geringen Mengen in die Cerebrospinalflüssigkeit über (Godtfredsen 1962c; Mindermann 1993); der Grund hierfür liegt wahrscheinlich in der hohen Plasmaproteinbindung (Reeves 1987). Der Wirkstoff konnte aber in einem Hirnabszess in gegen Staph. aureus wirksamen Konzentrationen nachgewiesen werden (Andenmatten 2010).
 

Metabolismus

Der Metabolismus der Fusidinsäure (FS) erfolgt v.a. in der Leber (Rosin 1998). Es werden 7 oder mehr Abbauprodukte gebildet (Turnidge 1999). Ein Teil der FS-Metaboliten besitzt eine gewisse Wirksamkeit gegen S. aureus (Godtfredsen 1966). Beim Menschen ist der wichtigste Gallenmetabolit ein Glukuronidkonjugat (Metabolit G), welches 15% des ausgeschiedenen Wirkstoffes ausmacht. Nur 0,3% FS wird unverändert eliminiert. Weiter sind 10% eines Metaboliten C (Dicarboxyl-Metabolit) sowie 3% eines Metaboliten E (möglicherweise ein Hydroxy-Derivat) nachweisbar, welche beide eine antibiotische Wirkung besitzen. Kleine Mengen eines 3-Keto-Metaboliten sind auch vorhanden (Godtfredsen 1966).
 

Elimination

Nur ein geringer Teil des Wirkstoffes wird über die Nieren ausgeschieden (Turnidge 1999), während der Hauptteil, grösstenteils in der inaktiven Form, über die Galle (Rosin 1998) und somit via Fäzes eliminiert wird (Godtfredsen 1962c). Die Ausscheidung von aktivem Wirkstoff über die Fäzes ist mit ungefähr 2% gering (Reeves 1987). Nach der p.o. Verabreichung von 14C-markierter Fusidinsäure an Ratten und Kaninchen gelangte der grösste Teil über die Leber in die Galle und nur eine geringe Radioaktivität konnte im Harn nachgewiesen werden (Godtfredsen 1966).
 

Bioverfügbarkeit

Fusidinsäure-Natrium

Mensch:nach p.o. 500 mg: 91 ± 5% (Taburet 1990)
 

Wirkspiegel

Eine wichtige Eigenschaft der Fusidinsäure (FS) ist, dass sie dazu neigt, nach wiederholter Gabe (Taburet 1990) von üblichen Dosierungen auf Grund ihrer langsamen Clearance zu akkumulieren (Turnidge 1999).
 
Nach der p.o. Verabreichung von 10 mg/kg FS 2-mal täglich an Hunde während eines Zeitraumes von 7 Tagen konnten keine messbaren Konzentrationen im Serum festgestellt werden. Der Wirkstoff konnte zudem nur in 1 von 12 Hautbiopsien nachgewiesen werden (Saijonmaa-Koulumies 1998).
 
Zähflüssige FS-Augentropfen bilden einen genügend hohen und stabilen Wirkspiegel in der Tränenflüssigkeit von gesunden Menschen (Thorn 1997). Diese Augentropfen führen auch bei Hunden und Kaninchen zu deutlich höheren Antibiotikum-Konzentrationen in der Tränenflüssigkeit als solche mit Chloramphenicol (Van Bijsterveld 1987).
 

Maximale Plasmakonzentration, Cmax

Fusidinsäure (Base)

Mensch:nach p.o. 0,5 g: 20 - 30 µg/ml (Rosin 1998)
 

Fusidinsäure-Natrium

Mensch:nach i.v. 500 mg: 52,4 ± 4,7 mg/l (Singlas 1988; Taburet 1990)
nach i.v. 500 mg: 43,1 mg/l (Wise 1977)
nach p.o. 500 mg (Kapsel): 31,42 ± 8,7 mg/l (Wise 1977)
nach p.o. 500 mg (Suspension): 23,02 ± 5,83 mg/l (Wise 1977)
nach p.o. 500 mg: 33,3 ± 3,2 mg/l (Taburet 1990)
nach p.o. 7,0 ± 0,8 mg/kg (Lösung): 30,4 ± 2,3 mg/l (Macgowan 1989)
nach p.o. 3,5 ± 0,4 mg/kg (Tablette): 11,6 ± 1,1 mg/l (Macgowan 1989)
nach p.o. 7,0 ± 0,8 mg/kg (Tablette): 30,6 ± 2,2 mg/l (Macgowan 1989)
nach p.o. 10,5 ± 1,2 mg/kg (Tablette): 48,1 ± 3,0 mg/l (Macgowan 1989)
nach p.o. 13,9 ± 1,6 mg/kg (Tablette): 65,2 ± 4,2 mg/l (Macgowan 1989)
 

Zeitpunkt der maximalen Plasmakonzentration, Tmax

Fusidinsäure-Natrium

Mensch:nach i.v. 500 mg: 2 h (Taburet 1990)
nach i.v. 500 mg: 2,25 h (Wise 1977)
nach p.o. 500 mg: 2,1 ± 0,3 h (Taburet 1990)
nach p.o. 500 mg (Kapsel): 3,08 ± 0,54 h (Wise 1977)
nach p.o. 500 mg (Suspension): 2,6 ± 0,45 h (Wise 1977)
nach p.o. 7,0 ± 0,8 mg/kg (Lösung): 2,6 ± 0,2 h (Macgowan 1989)
nach p.o. 3,5 ± 0,4 mg/kg (Tablette): 1,9 ± 0,2 h (Macgowan 1989)
nach p.o. 7,0 ± 0,8 mg/kg (Tablette): 2,2 ± 0,3 h (Macgowan 1989)
nach p.o. 10,5 ± 1,2 mg/kg (Tablette): 2,4 ± 0,2 h (Macgowan 1989)
nach p.o. 13,9 ± 1,6 mg/kg (Tablette): 2,6 ± 0,2 h (Macgowan 1989)
 

Eliminationshalbwertszeit

Fusidinsäure-Natrium

Mensch:nach i.v. 500 mg: 9,8 ± 0,7 h (Singlas 1988; Taburet 1990)
nach p.o. 500 mg: 11 ± 1 h (Munkholm 1994)
nach p.o. 500 mg: 16,0 ± 3,5 h (Taburet 1990)
nach p.o. 7,0 ± 0,8 mg/kg (Lösung): 8,7 h (Macgowan 1989)
nach p.o. 3,5 ± 0,4 mg/kg (Tablette): 8,7 h (Macgowan 1989)
nach p.o. 7,0 ± 0,8 mg/kg (Tablette): 8,9 h (Macgowan 1989)
nach p.o. 10,5 ± 1,2 mg/kg (Tablette): 9,3 h (Macgowan 1989)
nach p.o. 13,9 ± 1,6 mg/kg (Tablette): 9,4 h (Macgowan 1989)
 

MRT (Mean residence time)

Fusidinsäure-Natrium

Mensch:nach i.v. 500 mg: 11,6 ± 0,8 h (Taburet 1990)
nach p.o. 500 mg: 17,7 ± 2,5 h (Taburet 1990)
 

Verteilungsvolumen

Fusidinsäure-Natrium

Mensch:nach i.v. 500 mg: 0,3 ± 0,04 l/kg (Singlas 1988; Taburet 1990)
nach p.o. 500 mg: l1 (Munkholm 1994)
 

AUC

Fusidinsäure-Natrium

Mensch:nach i.v. 500 mg: 411,0 ± 44 mg●h/l (Singlas 1988; Taburet 1990)
nach p.o. 500 mg: 315 ± 38 h●µg/ml (Munkholm 1994)
nach p.o. 500 mg: 368 ± 34 h●mg/l (Taburet 1990)
nach p.o. 7,0 ± 0,8 mg/kg (Lösung): 339,8 ± 33,5 mg/l/h (Macgowan 1989)
nach p.o. 3,5 ± 0,4 mg/kg (Tablette): 121,1 ± 24,8 mg/l/h (Macgowan 1989)
nach p.o. 7,0 ± 0,8 mg/kg (Tablette): 329,3 ± 36,9 mg/l/h (Macgowan 1989)
nach p.o. 10,5 ± 1,2 mg/kg (Tablette): 571,1 ± 42,1 mg/l/h (Macgowan 1989)
nach p.o. 13,9 ± 1,6 mg/kg (Tablette): 823,8 ± 63,8 mg/l/h (Macgowan 1989)
 

Plasmaproteinbindung

Fusidinsäure bindet zu 90 - 98% an Plasmaproteine (Rosin 1998; Turnidge 1999; Rolinson 1965; Leclercq 2000; Ziv 1972), wobei v.a. eine starke Bindung an Albumin erfolgt (Turnidge 1999).
 

Clearance

Die Fusidinsäure-Clearance wird durch Hypoalbuminämie erhöht, währenddessen sie bei schwerer Cholestase herabgesetzt, sowie bei einer Niereninsuffizienz mehrheitlich unverändert ist (Turnidge 1999).
 

Fusidinsäure-Na

Mensch:nach i.v. 500 mg: 21,4 ± 2,1 ml/min (Singlas 1988)
nach i.v. 500 mg: 21,8 ± 2,1 ml/min (Taburet 1990)
nach p.o. 500 mg: 2,0 ± 0,4 l/h (Munkholm 1994)
 
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