EigenschaftenCabergolin, ein synthetisches Ergolinderivat, ist ein Dopamin-D2-Rezeptoragonist und wird zur Hemmung der endogenen Prolactinsekretion verwendet (Jöchle 1999; Aurich 2002).Cabergolin ist im Gegensatz zu anderen Dopaminagonisten (z.B. Bromocriptin) ein primärer Dopaminagonist und besitzt eine spezifische Affinität zu den D2-Rezeptoren der Prolactin-produzierenden (laktotrophen) Zellen im Hypophysenvorderlappen. Aufgrund einer langen Bindung an die Rezeptoren hat Cabergolin eine lange Wirkungsdauer, die etwa 2 Tage über das Ende der Therapie anhält. Zentralnervöse Effekte (zentral bedingtes Erbrechen) sind aufgrund einer sehr geringen Penetration der Blut-Hirn-Schranke kaum vorhanden (Verstegen 1999; Gobello 2001a; Gobello 2001c). WirkmechanismusProlactin ist ein im Hypophysenvorderlappen produziertes Peptidhormon mit verschiedenen Wirkungen auf den Reproduktionsapparat von Säugetieren. So besitzt es z.B. bei einigen Spezies luteotrope Effekte auf den Gelbkörper (Aurich 2002). Bei der Hündin ist Prolactin die wichtigste luteotrope Substanz: die Funktion der Trächtigkeitsgelbkörper wird ab etwa Mitte der Trächtigkeit ausschliesslich von Prolactin stimuliert und aufrechterhalten (Onclin 1997a; Gobello 2001c; Harvey 1997b; Arbeiter 1988; Verstegen 2005).Weiterhin besitzt Prolactin bei vielen Spezies eine wichtige Funktion bei der Entwicklung der Milchdrüse während der Pubertät und bei der Initiation und dem Erhalt der Laktation (Gobello 2001c; Aurich 2002; Harvey 1997b; Arbeiter 1988). Beim Hund spielt Prolactin auch eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie der Scheinträchtigkeit, wobei der exakte Mechanismus jedoch noch ungeklärt ist. So kommt es bei nichttragenden weiblichen Tieren unter Prolactineinfluss im Metöstrus zu einer Gesäugeausbildung, die bis zur Milchbildung gehen kann und teilweise mit starken Verhaltensänderungen (Unruhe, Nestbau, Aggressivität) verbunden ist (Aurich 2002; Gobello 2001b; Onclin 1997a; Gobello 2001c; Harvey 1997b; Verstegen 2005). Bei Spezies mit saisonaler Reproduktion wird eine Beteiligung von Prolactin an jahreszeitabhängigen Schwankungen der Fortpflanzungsaktivität vermutet (Aurich 2002). Bei männlichen Tieren verstärkt Prolactin die LH-Wirkung am Hoden (Aurich 2002). Im Gegensatz zu den anderen Hormonen des Hypophysenvorderlappens ist für Prolactin kein hypothalamisches Releasing-Hormon bekannt. Prolactin steht nur unter einer hemmenden Regulation durch den Hypothalamus, wobei die Funktion des Prolactin-Release-Inhibiting-Faktors dem Neuromodulator und Transmitter Dopamin zukommt. Diese direkte, Dopamin-vermittelte Inhibition der Prolactinsekretion kann indirekt durch Serotonin, einem Dopaminantagonisten, aufgehoben werden (Gobello 2001c). Cabergolin ist ein primärer Dopaminagonist: es wirkt wie Dopamin und bremst direkt über die Dopaminrezeptoren der prolactinproduzierenden Zellen der Hypophyse die Prolactinproduktion und -freisetzung (Jöchle 1999; Aurich 2002; Gobello 2001c). Durch den abrupten Abfall der Prolactinkonzentration im Plasma kommt es zur Rückbildung der Milchdrüse, zum Sistieren der Laktation und zum Abklingen der Scheinträchtigkeit. Durch den Wegfall der luteotropen Effekte des Prolactins auf den Trächtigkeitsgelbkörper kommt es beim trächtigen Tier zu einem Abfall der Progesteronproduktion und somit zur Abortauslösung bzw. zur Geburt (Jöchle 1999; Gobello 2001b).
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