Bemerkung: Die Angaben in diesem Kapitel gelten für die Wirkstoffklasse Cephalosporine allgemein. Spezifische Daten bezüglich Chemie, Pharmakologie, Pharmakokinetik, Dosierungen und substanzspezifische Eigenschaften betreffend unerwünschten Wirkungen, Toxizität und Interaktionen sind bei den einzelnen Cephalosporinen beschrieben.
Eigenschaften
Cephalosporin C ist die Ausgangssubstanz der heute angewendeten Cephalosporine. Sie wurde aus Cefalosporium acremonium isoliert; einer Pilzart, die 1948 im Meerwasser vor Sardinien entdeckt wurde. Neben Cephalosporin C wurden mit Cephalosporin N und P zwei weitere Wirkstoffe gefunden, welche jedoch keine klinische Bedeutung erlangten (Weinstein 1980).
Das Grundgerüst von Cephalosporin C ist die 7-Amino-Cephalosporansäure. Ihre Kernstruktur ist ein Betalaktamring mit sechsgliedrigem Dihydrothiazinring, im Unterschied zum fünfgliedrigen Thiazolidinring beim Penicillin(Kroker 2003e; Barza 1977a; Molavi 1991; Goldberg 1987). Durch Austausch der beiden Seitenketten wurden mehrere Wirkstoffe entwickelt, die sich in antibakterieller Aktivität, Betalaktamasestabilität, sowie Pharmakokinetik unterscheiden (Albert 1998). Diejenige Seitenkette, die näher beim Betalaktamring liegt (am C7), steht im Zusammenhang mit der antibakteriellen Aktivität, der Penicillinaseresistenz und/oder der Affinität zu den Penicillin bindenden Proteinen. Die Entwicklung von Betalaktamase-stabilen Cephalosporinen geht meist einher mit einem antimikrobiellen Aktivitätsverlust (O'Callaghan 1980). Die zweite Seitenkette, die näher beim Dihydrothyazinring liegt (am C3) hat einen Einfluss auf die Pharmakokinetik und die Toxizität des betreffenden Cephalosporinderivates (Molavi 1991; Goldberg 1987; Williams 1988b; Wise 1992b).
Die Cephamycine (z.B. Cefoxitin, Cefotetan) werden aufgrund ähnlicher pharmakologischer Eigenschaften meist zu den Cephalosporinen gezählt (Plumb 2002; WHO 2005 cont.; Stahlmann 2001). Sie werden von Streptomyces spp. produziert (Plumb 2002; Stahlmann 2001) und unterscheiden sich von den Cephalosporinen durch eine Metoxygruppe an der 7-alpha Position der Aminocephalosporansäure (Andersson 1978a). Chemisch gesehen sind Cephalosporine schwache Säuren. Bei physiologischem pH (7,4) liegen sie grösstenteils in ionisierter Form vor, und der pKa Wert liegt über 5 (Radouane 1996).
Cephalosporine sind sehr empfindlich gegenüber Licht und hohen Temperaturen. Tabletten, Kapseln, Pulver für orale Suspensionen, Pulver für Injektionslösungen (Plumb 2002) und Euterinjektoren müssen bei Raumtemperatur gelagert werden (Demuth 2003a). Aufgelöste orale Suspensionen von Cefalexin, Cefadroxil und Cefixim sind gekühlt (2 - 8°C) aufzubewahren und innert 14 Tagen aufzubrauchen. Die Haltbarkeit der Injektionslösungen ist nicht bei allen Wirkstoffen gleich und stark abhängig von der Aufbewahrungstemperatur: je kühler, desto länger sind sie haltbar. Genauere Angaben finden sich bei den einzelnen Wirkstoffen. Eine gekühlt aufbewahrte Injektionslösung kann ausfällen, wenn sie aber nach vorsichtigem Aufwärmen wieder klar ist, kann sie bedenkenlos benützt werden (Plumb 2002). Eine Farbveränderung von Pulver oder Injektionslösung ist, falls die Lagerung korrekt war, in der Regel unbedenklich. Eine Ausnahme ist Cefotaxim, bei welchem eine Farbveränderung mit einem Wirkungsverlust einhergehen kann. Dieser Wirkstoff sollte deshalb im Zweifelsfall entsorgt werden.
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